
(Foto von Marcus Anhäuser)
Die Amsel - wer von uns kennt sie nicht -ist als häufiger Park- und Stadtvogel eine bekannte Singvogelart. Sie hat sich weltweit erfolgreich ausgebreitet. Wir finden sie sowohl auf der Nordhalbkugel in NW-Afrika, auf dem Eurasischen Kontinent bis Ostchina , wie auch auf der Südhalbkugel in Australien und Neuseeland.
Die Männchen zeichnen sich durch ihr schwarzes Gefieder und den leuchtend gelben, manchmal auch orangefarbenen Schnabel aus. Die Weibchen sind, wie so oft, eher unscheinbar braun gefärbt mit teilweise gefleckter Brust. Jungvögel ähneln den Weibchen, sind aber rötlicher braun gefärbt und an der Oberseite gelblich gefleckt.
Ihr schlanker Schnabel dient der Ernährung mit Regenwürmern, Weichtieren und anderen Wirbellosen. Im Herbst sind die reifen Beeren eine Nahrungsbereicherung.
In ausgewachsenem Zustand sind Amseln ca. 25 cm groß. In Gefangenschaft können Amseln das erstaunlich hohe Alter von 16 Jahren erreichen. Doch in der freien Wildbahn ist die Lebenszeit wesentlich geringer. Verantwortlich dafür sind die Gefahren und der Streß, denen sie bei der Futtersuche, dem Kampf um Reviere und um Partner ausgesetzt sind.
Mit einem Jahr werden die Amseln geschlechtsreif und suchen sich einen Partner, mit dem sie eine Partnerschaft, einen
sozial-monogamen Paarbund - eingehen. Dieser Paarbund kann über mehrere Jahre bestehen. Innerhalb des Paarbundes erfüllen Männchen und Weibchen spezifische Aufgaben. Sie betreiben eine Arbeitsteilung.
Die Aufgaben des Weibchens:
Die Weibchen kümmern sich allein um den Nestbau. In der Zeit von März bis Juli suchen sie in Büschen und Hecken geeignetes Nistmaterial und bauen es zusammen. Die mittlere Nestbaudauer beträgt 2-5 Tage. Ist das Nest einmal gebaut, beginnt das Weibchen mit der Eiablage von 2-5 Eiern pro Gelege, die sie anschließend 12-14 Tage bebrütet. Die Jungen sind nach dem Schlüpfen wenig entwickelt. Das Daunenkleid bildet sich erst nach und nach. Deshalb werden die Nestlinge noch vom Weibchen gewärmt. Die Augen sind in den ersten Tagen nach der Geburt noch geschlossen. Die hohe Hilfsbedürftigkeit kennzeichnen die Jungen als
Nesthocker.
Zwischen März und Juli unternehmen die Weibchen 3 bis 5 Brutversuche in jeweils neuen Nestern.
Die Aufgaben des Männchens:
Die Männchen kümmern sich um die Verteidigung des Reviers. Dies geschieht akustisch über den Reviergesang, kann sich sich aber auch in heftigen Kämpfen gegenüber Eindringlingen äußern. Während der Phase des Nestbaus und kurz vor wie nach der Eiablage bewachen die Männchen ihre Partnerin sehr intensiv und folgen ihr überall hin.
Die Aufgaben des Amselpärchens:
Sowohl Weibchen wie Männchen sind bei der Nestlingsfütterung tätig. Nach 13-15 Tagen werden die Nestlinge flügge. Nach dem Ausfliegen kommt es zu einer Brutteilung: die Männchen und Weibchen teilen sich die Jungtiere auf und füttern diese noch für weitere 3 Wochen bis die Jungtiere vollends selbständig sind.
Trotz mehrerer Bruten im Jahr ist der Bruterfolg eines einzelnen Paares meist sehr gering. Die
Predationsrate auf Eier und Nestlinge ist vor allem im Frühjahr sehr groß. Der Aufzuchtserfolg der Jungen ist abhängig von der Witterung, dem Nahrungsangebot und der Fütterungsleistung der Eltern.
Wie Sie nun erfahren haben, existieren zweckmäßige sozial-monogame Paarbunde unter den Amseln.
Ist es morphologisch-physiologisch denn überhaupt möglich, dass Nestlinge aus einem Gelege von verschiedenen Vätern abstammen können? Nähere Informationen finden sich hierzu bei der
Fortpflanzung der Amseln .
Einfangen der Vögel